Zwischen Langenthal und Burgdorf liegt versteckt der Mutzbachgraben, der sich hervorragend für einen kleinen Ausflug handelt. Am bestens startet man den Spaziergang in der Ortsmitte von Riedtwil. Hier sind auch gleich der Bahnhof und ein Parkplatz vorhanden, da hier der „Amiet-Hesse-Weg“ seinen Startpunkt hat. Wer Lust hat, verbindet den liebevoll gepflegten Themenweg mit dem Mutzbachfall, man kommt quasi automatisch daran vorbei. An acht Punkten wird man dann vieles über das Leben und Wirken der beiden Kunstmaler Cuno Amiet und Bruno Hesse erfahren. Dabei sind die Infopunkte meistens so gewählt, dass der Blick in die Umgebung häufig mit Werken der Künstler übereinstimmen. Beide haben gerne in der Natur gemalt. Amiet lebte von 1868 bis 1961 und war eine der führenden Künstlerpersönlichkeiten der Schweiz. Während seines Studiums trat er Paul Gaugins Künstlerkolonie in Pont-Aven bei und sah dort das erste Mal ein Bild von Van Gogh. 1893 ging er nach einem Jahr zurück in die Schweiz heiratete und zog mit ihr auf der Oschwand oberhalb von Riedtwil, wo sein später erbautes Haus heute ein kultureller Begegnungsort ist. Amiet schuf etwa 4000 Werke und gehört zu einem der Wegbereiter der Schweizer Moderne. Bruno Hesse ist der Sohn von Hermann Hesse und wuchs bei Cuno Amiet und seiner Frau Anna auf. Sein Vater hatte eine lockere Freundschaft zum Schweizer Künstler, der ihn sogar mal porträtierte. Nach der Trennung schickte Hermann Hesse seinen Sohn in die Schweiz in die Familie Amiet. Hesse wurde Kunstmaler und in Oschwand sesshaft.

Der Spaziergang zur Mutzbachhöhle und dem Mutzbachfall beträgt nur etwa vier Kilometer. Vom Parkplatz aus ist die Richtung ausgeschildet, man geht zur Hauptstrasse und biegt dann nach rechts nach Oschwand ab. Wenn die Strasse weiter berghoch und in den Wald führt, dann führt der Schotterweg rechts in den Mutzbachgraben. Hier wird es idyllisch. Verlaufen kann sich hier keiner, denn der Weg ist selbsterklärend und bedarf eigentlich keiner Ausschilderung. Nachdem man das letzte Haus am Mutzbachweg passiert hat, wird der Feldweg schmaler. Im Sommer stehen hier eine Menge Kühe, die einen auf dem Weg begleiten und sich über das satte Grün der Felder sehr freut. Außerdem haben sie hier auch eine Menge Schattenplätze.
Etwa 400 Meter hinter dem letzten Haus wartet schon das erste Highlight. Das man hier stoppt, ist der Bank zu verdanken, ohne die der Blick sonst nicht erahnen würde, was sich hinter ihr versteckt. Die Mutzbachtalhöhle ist wirklich ein wundervolles Naturhighlight. Hier kann es nach Regentagen sehr glatt sein, wenn man hinter der Bank über die Baumwurzeln etwa zwei Meter hochkraxeln muss. Es lohnt sich aber so sehr, denn das Plätzchen ist sehr besonders. Nur wenige hundert Meter weiter kommt man dann an die Brätlistelle Mutzbachgraben. Hier ist viel Platz für viele Besucher und man kann es sich gemütlich machen. Die Stelle ist wie immer in der Schweiz bestens angelegt, Feuerholz, Grill, Bänke und Grill besteck ist vorhanden. Damit es auch weiterhin für alle nutzbar ist, sorgt die Gemeinde Seeberg für den Unterhalt und man kann vor Ort per TWINT (schweizerisches Zahlungssystem für bargeldloses Zahlen und Einkassieren, besitzen hier eigentlich alle! Man twintet hier sehr viel im Alltag. In Supermärkten oder an abgelegenen Höfen auf der Alp) einen Unkostenbeitrag für das Brennholz abgeben.
Der Weg wird nach der Grillstelle noch schmaler und die Natur ist an beiden Seiten sehr üppig. Nach der längeren Rechtskurve hört man den Wasserfall schon, es dauert aber noch ein paar Meter, bis man ihn auch mit den Augen erfassen kann.
Der Mutzbachfall hat eine Höhe von etwa 14 Metern und wird eingerahmt durch zahlreiche Bäume. Er ist der höchste Wasserfall der Region und es ranken sich so einige Legenden um ihn. Unter anderem, dass sich der letzte Bär der Region hier früher versteckt haben soll. „Mutz“ ist die Berner Bedeutung für Bär. Der soll sich hier so lange in der Höhle versteckt haben, bis man ihn entdeckte und erschossen hat. Eine weitere geheimnisvolle Legende besagt, dass vor über 200 Jahren ein Bad oberhalb des Wasserfalls bestand, das nackt genutzt wurde. Die Behörden sollen es nicht toleriert haben und der Badebetrieb stellte sich dann wieder ein. Wer Lust hat, einen Blick von oben auf den Wasserfall zu werfen, der folgt dem Trampelpfad links an den Felden, wo man über eine steile Metallleiter nach oben steigen kann.
Der Spaziergang eignet sich wunderbar, um eine kleine Flucht im Alltag zu haben und ist zu jeder Jahreszeit ganz wundervoll. Vor allem im Frühjahr mit dem frischen Grün und im Herbst, wenn die Blätter sich bunt färben.
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