Kampener Kunst- und Kulturpfad

Aus den Büchern: Outdoor-Guide Nordseeküste SH / Marco Polo + Nordfriesland – Trescher-Verlag


Kampen auf Sylt steht für Luxus und Glimmer. Hier haben sich teure Boutiquen und Galerien angesiedelt, hier flaniert man, geht feiern und zeigt, was man hat. Im Sommer ist der Ort gut besucht, im Winter fast ausgestorben.

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Kampen erstmals erwähnt, seitdem ist viel passiert im traditionellen Sylt-Ort, der sich seinen Charakter bewahrt hat. Das liegt sicherlich auch daran, dass immer noch eine Verordnung von 1912 gilt, in der festgelegt wurde, dass Neubauten dem Ortsbild entsprechend und in Klinkerbauweise mit Reetdach erbaut werden müssen. Daher gibt es auch keine hohen Hotelkomplexe im Ort, dessen Gemeindegebiet sich in den letzten 100 Jahren mal eben vervierfachte. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Westküste bis zur Wattseite und war bis ins 20. Jahrhundert noch landwirtschaftlich geprägt. Die wenigen Einwohner lebten vom Fischfang und gemeinsam mit der Bauernschaft Braderup und der Siedlung Wenningstedt bildete man die Norddörfer, aus der Kampen 1927 austrat.

Während sich anderswo auf der Insel die Gäste bereits wohl fühlten und der Tourismus immer mehr anwuchs, galt Kampen lange Zeit als Geheimtipp. Erst zu Beginn der 1920er Jahre fing das Badeleben aufzublühen, dabei zog es schon immer Künstler und Intellektuelle nach Kampen, die sich gerne im 1923 erbauten Haus „Kliffende“ niederließen. Um so vielen Künstlern und Kreativen gerecht zu werden, gibt es seit 2008 den Kampener Kulturpfad, der auf etwa 40 Gedenkstelen auf unterschiedliche Besucher hinweist, die mit dem Ort verbunden waren. Das waren unter anderem Axel Springer, Emil Nolde, Theodor Storm, Christian Morgenstern, Max Fritsch, oder Thomas Mann. Die kleinen Stelen stehen an bekannten und unbekannten Orten des Dorfes und sind jeweils mit QR-Codes versehen. Etwa acht Kilometer führt der Weg durch Kampen, abkürzen kann man ihn natürlich jederzeit. Bei dem Rundgang spürt man, was die Künstler angezogen Die Stelen sind immer mit einigen Zeilen versehen, die von den Personen selbst stammen. So steht man auf der Stele von Ernst Rowohlt: „Ein Tummelplatz der freien Geister“, wie er seinen Verlag nannte. Bei Hans Fallada sieht man „Gute Vorsätze sind noch keine guten Taten.“ Er selbst hatte großes Glück, als ihm nach einigen schlimmen Jahren auf der Insel sein ehemaliger Verleger Rowohlt über den Weg lief und damit den Weg wieder in Richtung Erfolg geebnet wurde. Dann begegnen einem aber auch Persönlichkeiten wie Valesca Gert, die eigentlich Gertrud Valesca Samosch hieß und 1950 in Kampen den „Ziegenstall“ eröffnete. Das Lokal, das mit Melkschemeln und Holzbänken ausgestattet war, war schon immer eine unkonventionelle Frau. In ihrem Etablissement haben Tänzerinnen und Schauspielerinnen Auftritte. Viele kleine und große Geschichten findet man auf dem Kampener Kunst- und Kulturpfad, den man zu jeder Jahreszeit erwandern kann.

Die Tour folgt keinem bestimmten Verlauf, sondern man kann sich selbst seine Tour planen.

Mehr Infos, auch wo sich alle Stelen befinden, sieht man am besten auf der Homepage:

https://www.sylt.de/kampen/kunst-und-kultur

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