Wandern im Katinger Watt – Eidersperrwerk

Wer mit dem Auto oder Rad von Tönning bis an Eidersperrwerk fährt, durchquert auch einen Teil des Katinger Watts. Leider wird das Gebiet viel zu häufig unbeachtet, dabei ist ein Ausflug oder eine schöne Tageswanderung absolut zu empfehlen. Wer die Natur liebt, der wird hier großen Spaß haben.

Bei Komoot habe ich eine kleine Wanderung angelegt, obwohl es sich auch immer lohnt, eigenständig auf Entdeckungstour zu gehen. Immerhin ist das Naturschutzgebiet Katinger Watt um die 1500 Hektar groß, genügend Platz also, um kleine und große Dinge zu beobachten.

Vor dem Bau des Eidersperrwerkes war das Gebiet ein Wattgebiet. Durch den Bau des Küstenschutzbauwerkes ist der Gegend die natürliche Dynamik entzogen worden und infolgedessen die Grüne Insel entstanden. Durch den Bau von Lahnungsfeldern ist die Insel kontinuierlich vergrößert worden und damit aktiv die Landgewinnung vorangetrieben. Schon in den 1920er Jahren wurde ein Vogelbrutgebiet geschaffen, da die Gegend für den Vogelzug und Bodenbrütern lebenswichtig war und ist.

Wo ursprünglich ein quirliges Tourismusgebiet entstehen sollte, und Hotelanlagen, Golfanlage und Feriendorf geplant war, liegt heute das Katinger Watt mit seiner ganzen Schönheit. Bürgerinitiative und NABU sei Dank, da sie gegen ein Tourismuskonzept protestierten.

Heute ist das Katinger Watt grob in drei Bereiche aufgeteilt. Ein Drittel ist den bodenbrütenden Wiesen und Watvögeln vorbehalten, ein weiteres Drittel ist waldig angelegt und dient mit einer Laubbaumvielfalt als Naherholungsraum und das letzte Drittel dient der landwirtschaftlichen Nutzung.

Durch den Schutz ist sogar der Seeadler zurück ins Gebiet gekommen und regelmäßig auf seinen Erkundungsflügen zu beobachten. Am westlichen Rand des Naturschutzgebietes liegt das NABU-Naturzentrum Katinger Watt, bei dem unbedingt ein Besuch eingeplant werden sollte. Zumindest in den Sommermonaten. Neben einer Ausstellung zur Entstehung des Katinger Watt gibt es im Garten auch naturnahe Projekte zu bestaunen und natürlich kommen auch Informationen zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer nicht zu kurz. Ein weitere Besuch lohnt auch in dem nordöstlich liegenden Info-Haus Spökenkieker, dass immer Anfang Mai für die Saisonöffnet. Bei beiden sollte man sich vorher allerdings im Internet wegen den Öffnungszeiten informieren, um nicht vor geschlossenen Türen zu stehen. Im Spökenkieker-Haus gibt es eine Menge Infos über Eiderstedt und dessen Besonderheiten.

Meine Tour startet am ersten Parkplatz, am Aussichtsturm „Kiek ut“. Hier ist auch gleich der Naturerlebnisraum „Katinger Watt“ zu finden, bei dem es sehr viel zu entdecken gibt und auch mit Kindern wirklich bestens geeignet ist. Die Runde hat etwas mehr als vier Kilometer und ist zum Einstieg in das Gebiet des Katinger Watt sehr gut.

Und wer hinterher noch Lust hat, der wirft noch einen Blick vom Eidersperrwerk auf die Nordsee oder Richtung Tönning. Das größte Küstenschutzbauwerk Deutschlands liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist immer einen Besuch wert. Hier gibt es in den Sommermonaten auch die Möglichkeit ein Fischbrötchen auf die Hand zu nehmen.

https://www.komoot.com/de-de/tour/1379753434

Das Eidersperrwerk

Es sieht nicht nur gewaltig aus, es leistet auch Gewaltiges: Das Eidersperrwerk ist Deutschlands größtes Küstenschutzbauwerk und liegt westlich von Tönning an der Flussmündung. Hier an der Eider, die auch von der Tide beeinflusst ist, drang die Nordsee schon vielfach bis weit ins Hinterland vor, so auch 1962 als sie nicht nur in Hamburg zahlreiche Opfer forderte, sondern auch an der Nordseeküste und in Tönning große Schäden anrichtete. Planungen für eine Eiderabdämmung gab es schon seit 1957, wobei es unterschiedliche Modelle gab. Die Kenntnisse aus den ersten Entwürfen flossen dann im Rahmen des Generalplans Küstenschutz mit in das Eidersperrwerk ein.

Hier sollte die Mündung nicht komplett eingedeicht werden, sondern mit einem gigantischen Bauwerk geschlossen werden und damit auch die Wasserstände kontrolliert werden, auch weil die Strömungsverhältnisse zu groß waren. 1967 folgte dann der erste Spatenstich und nachdem unter anderem über 6.000 Tonnen Stahl und 95.000 Tonnen Felsbruchsteine verbaut wurden, war nach sechs Jahren Bauzeit das Eidersperrwerk entstanden. Links und rechts ist ein gut fünf Kilometer langer Damm erbaut worden. Fünf große Tore von je 40 Meter Breite sorgen für einen geregelten Wasserdurchlauf, denn das Hinterland muss weiterhin entwässert werden und die Flüsse in der Eider-Treene-Sorge Region abfließen. Auf das Bauwerk führen von beiden Seiten Treppen, es ist ein beliebter Aussichtspunkt. Steht man auf dem Eidersperrwerk und sieht die Wassermassen bei geöffneten Toren, dann kann man die Wucht des Meeres hautnah spüren und aus Reflex hält man sich gleich noch etwas fester am Geländer fest oder tritt einige Schritte zurück.

Das Sperrwerk liegt direkt an der L305 die durch einen Tunnel durch das Bauwerk führt und Nordfriesland mit Dithmarschen verbindet. Es stehen sowohl nördlich als auch südlich Parkplätze und beidseitig ein Imbissangebot in den Sommermonaten zur Verfügung.

Neben den großen Fluttoren gibt es eine Schleuse, die den Schiffsverkehr mit der Eider verbindet, und bei der man mit viel Glück zuschauen kann. Zusätzlichen haben die Seenotretter eine Station und auch Ausflugsschiffe starten im nördlichen Teil.

Einzigartig ist die Küstenseeschwalbenpopulation, die sich am südlichen Teil des Sperrwerks auf einem Vorsprung niedergelassen hat. Dabei ist sie diejenige, die von den Zugvögeln die weiteste Strecke zurücklegt. Immerhin 80.000 Kilometer fliegt eine von ihnen im Jahr. Die Küstenseeschwalben kommen im April und nachdem sie ihren Nachwuchs großgezogen haben, machen sie sich auf den Weiterflug Richtung Süden. 2023 ist die Kolonie von der Vogelgrippe heimgesucht worden, wobei fast die Hälfte der gut 1700 Brutpaaren starben.

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